Haselhuhn

Wissenschaftl. Name: Bonasa bonasia Linnaeus 1758
Trivialnamen: Hazel grouse Englisch
  Gelinotte des bois Französisch
  Haselhuhn Deutsch
  Järpe Schwedisch

Verbreitung

Das Haselhuhn ist in Eurasien in den Wäldern der borealen und gemäßigten Zonen und in den montanen Gebieten von Frankreich über Skandinavien bis nach Japan verbreitet. Die nördliche Begrenzung des Verbreitungsgebiets fällt mit dem Rand des Taigawaldes zusammen. Die nördlichsten Populationen gibt es in Lappland und Sibirien, die südliche Grenze des Verbreitungsgebiets verläuft meist parallel zum südlichen Rand der borealen Wälder. In Zentraleuropa kommt das Haselhuhn auch in Laubwäldern der gemäßigten Zone und Bergwäldern südlich der borealen Zone vor.

Populationsgröße und -entwicklung in Europa

In borealen Wäldern hat das Haselhuhn noch immer den größten Teil seines klassischen Verbreitungsgebiets und kommt dort in der Regel noch häufig vor. In West- und Zentraleuropa gab es aber schon vor dem vergangenen Jahrhundert Gebietsschrumpfungen und –rückgänge. Als Resultat sind heute viele Populationen verschwunden, verstreut und auf das Gebirge beschränkt. Aufgrund des relativ großen Verbreitungsgebiets wird die Art von der IUCN unter „geringe Gefährdung“ aufgeführt.

Lebensraum und Ökologie

Haselhühner bewohnen in erster Linie Laub- und Nadelmischwälder. Sie haben klar definierbare Ansprüche an die Lebensraumstruktur. Relativ dichte Laub- und Nadelwälder mit Kronenschluss vom Boden bis in ca. 2 m Höhe scheinen entscheidend zu sein. Das Haselhuhn kann in sehr unterschiedlichen Lebensraumtypen vorkommen, solange diese die strukturellen Ansprüche erfüllen: alte Baumbestände, aber auch bewirtschaftete Laub- und Nadelwälder unterschiedlicher Holzerntemethoden und Altersstufen können sich als Habitat eignen. Voraussetzung ist eine enge Verzahnung von Deckungsstrukturen (dichte Waldbereiche) und Nahrungsangebot. Wenn Schnee liegt, ernährt sich das Haselhuhn von Kätzchen und Knospen von Laubbäumen wie Erlen (Alnus), Birken (Betula), Haseln (Corylus), Mehlbeeren (Sorbus), Buchen (Fagus) und Weidengewächsen (Chosenia). Wenn kein Schnee liegt, ernährt sich der Vogel von einer Vielzahl von Sträuchern, Kräutern und Gräsern. Das Haselhuhn vermeidet offenes Gelände und scheint darum besonders auf die Fragmentierung der Wälder empfindlich zu reagieren.

Bejagung und kulturelle Bedeutung

Das Haselhuhn ist im überwiegenden Teil seines Verbreitungsgebiets ein beliebtes Wild. In Skandinavien und Russland locken die Jäger diese Vögel meist im Frühjahr und Herbst durch Imitierung ihres Rufs mit einer besonderen Raufußhuhnpfeife an. In der borealen Zone jedoch wird das Haselhuhn üblicherweise mit Vorstehhunden im Herbst gejagt.

Die Haselhuhnjagd spielt in Zentraleuropa keine wirtschaftliche Rolle mehr. Es werden nur wenige Vögel erlegt und die Jagd ist in vielen Ländern eingestellt. In Teilen der borealen Zone jedoch hat der Abschuss von Haselhühnern immer noch große wirtschaftliche Bedeutung.

Hauptbedrohungen

Die primäre Bedrohung des Haselhuhns in Europa geht von der Lebensraumverschlechterung aus. Habitatverlust, -fragmentierung und / oder -verschlechterung im Zusammenhang mit der veränderten Landnutzung durch den Menschen oder die veränderten Praktiken in der Forstarbeit stellen für das Haselhuhn Probleme dar. Der Verlust von dichtem Unterholz in Plantagenwäldern (Zentral-, Südeuropa; Fennoskandia), aber auch der Kahlschlag (boreale Wälder) kann zu einer Abnahme von Haselhuhnzahlen führen. In Teilen Europas wird eine Zunahme in der Prädatorendichte, vor allem der generalistischen Prädatoren, dafür verantwortlich gemacht, dass das Überleben und Nisten nur bedingt erfolgreich ist.

Gegenwärtige Schutzmaßnahmen

Die Prioritäten bei Schutzmaßnahmen für das Haselhuhn liegen auf der Erhaltung von hochqualitativem Lebensraum von ausreichender Größe. Zwar sind große Populationen in borealen Waldgebieten nicht akut bedroht, jedoch benötigen kleinere und isoliertere Populationen, z.B. in montanen Gebieten, lokal akut starke Schutzbemühungen. Maßnahmen zum Schutz des Haselhuhnes umfassen die Förderung von durchmischten artenreichen Baumbeständen und die Bewahrung von dichterem Unterholz und Kronenschluss in Waldgebieten. Das Haselhuhn ist in Europa im Rahmen der EU Vogelschutz-Richtlinie geschützt und dort in Anhang I aufgenommen. Falls Sie weitere Informationen zum Schutz oder Management dieser Art besitzen, kontaktieren Sie uns bitte, sodass wir diese Information hier hinzufügen können.