Birkhuhn

Wissenschaftl. Name: Tetrao tetrix Linnaeus 1758
Trivialnamen: Black grouse Englisch
  Tétras-lyre, Petit coq de bruyère Französisch
  Birkhuhn, Spielhahn Deutsch
  Orre Schwedisch

Verbreitung

Das Birkhuhn hat eine geschlossene Verbreitung über die nördlichen Teile Eurasiens und kommt typischerweise in den Wäldern der borealen Zone von Skandinavien bis Südostsibirien vor. Die westlichen und südlichen Teile des Verbreitungsgebiets sind fragmentiert. In diesen Teilen waren im Laufe des 20. Jahrhunderts starke Gebietsschrumpfungen und daran verbundene Bestandsrückgänge zu verzeichnen.

Populationsgröße und -entwicklung in Europa

Die Populationsdichte des Birkhuhns kann über die Jahre stark schwanken. Dies ist insbesondere in den nördlichen Teilen des Ausbreitungsgebiets der Fall, in denen 4-10 jährige Populationszyklen üblich sind. Abgesehen von diesen kurzfristigen Fluktuationen sind die Birkhuhnpopulationen über die gesamten aneinandergrenzenden Bereiche im Norden Eurasiens mehr oder weniger stabil und nicht besonders bedroht. In West- und Zentraleuropa jedoch sind die Birkhuhnzahlen in diesem Jahrhundert vor allem seit den 1970er Jahren rasch zurückgegangen. Viele der Flachlandpopulationen sind ganz verschwunden und die übrigen sind meist nur klein (< 100 - 200 Vögel) und vereinzelt. In Zentraleuropa findet man die größten und noch immer weitgehend stabilen Populationen in den Alpen. Aufgrund der stabilen Populationsentwicklungen im Norden des Verbreitungsgebietes wird das Birkhuhn von der IUCN unter „geringe Gefährdung“ geführt.

Lebensraum und Ökologie

Das Birkhuhn gehört zu den Raufußhuhnarten mit den umfassendsten Lebensraumansprüchen. In den borealen Regionen ist das Birkhuhn in Waldrandhabitaten und Wäldern niedriger Altersstufen angesiedelt. Außerhalb borealer Wälder lebt das Birkhuhn in Lebensräumen, die strukturell Moor- und Heidelandschaften ähnlich sind. Dies sind vor allem junge und offene, sich erneuernde Nadelwälder nach Störungen wie Brand, Sturm oder Kahlschlag sowie Lebensräume an der oberen Waldgrenze, wie auch Almweiden im Gebirge, außerdem Felder, Weiden und militärisches Übungsgelände. Birkhühner vermeiden im Allgemeinen den dichten Kronenschluss. Die Vögel ernähren sich opportunistisch, aber selektiv von einer Vielzahl verschiedener Futterarten, vor allem Knospen und Triebe, Blüten und Beeren im jahreszeitlichen Wechsel. Auch Insekten und andere Invertebraten spielen sowohl bei Küken als auch saisonal bei erwachsenen Tieren eine Rolle.

Bejagung und kulturelle Bedeutung

Fast im gesamten Verbreitungsgebiet hat das Birkhuhn eine lange Tradition als Federwild und ist daher von großer kultureller und regional auch wirtschaftlicher Bedeutung. Es ist nach dem Moorschneehuhn und dem Haselhuhn die Raufußhuhnart, die in Fennoskandia und Russland am häufigsten als Beute bei Jägern zu finden ist. Das Birkhuhn spielt in der heimatlichen Tradition eine geringere Rolle als der Charaktervogel Auerhuhn, hat aber eine gewisse Verbreitung in der Heraldik.

Hauptbedrohungen

Das Birkhuhn ist durch die Verschlechterung und den Verlust von  Lebensräumen bedroht. In West- und Zentraleuropa nimmt die für das Birkhuhn geeignete Fläche durch die veränderte menschliche Landnutzung und besonders durch die Intensivierung der Landwirtschaft weiter ab. Dies zeigt sich vor allem in der Zerstörung von Mooren zur landwirtschaftlichen Nutzung, sowie in der Düngung und Aufforstung von Heideland und Schafweiden. Außerdem trägt die abnehmende Nutzung und Erhaltung von Almsommerweiden durch Beweidung und Mähen zur Verschlechterung von Birkhuhn-Habitaten bei. Ähnlich wie beim Auerhuhn hat Verlust von Lebensraum(qualität) in West- und Zentraleuropa zu einer Isolation kleiner Populationen geführt, von denen viele nun wegen ihrer mangelnden Größe bedroht sind. Die veränderten Praktiken in Land- und Forstwirtschaft sowie die fortschreitende Zerstückelung der Landschaft haben zu erhöhter Prädatorendichte beigetragen, die das Birkhuhn gefährden. Weiterhin sind Störungen des Birkhuhns durch Tourismus und Freizeitaktivitäten sowie tödliche Kollisionen mit Leitungen und Zäunen als wichtige Bedrohungen für den Bestand der Art zu nennen.

Gegenwärtige Schutzmaßnahmen

Wie beim Auerhuhn ist für die Erhaltung gefährdeter Teilpopulationen auch beim Birkhuhn vor allem ein integratives Lebensraummanagement notwendig. Lebensräume von hoher Qualität müssen gefördert und erhalten werden, zugleich müssen diese Naturschutzansprüche erfolgreich mit der Landnutzung und mit den touristischen Interessen der jeweiligen Region vereint werden. Um Störung innerhalb wichtiger Gebiete zu mindern, kommen insbesondere Aufklärungskampagnen und das Ausweisen von Schutzgebieten zur Anwendung. Wiederansiedlungsprojekte waren in der Vergangenheit nicht erfolgreich. Das Birkhuhn ist in Europa im Rahmen der EU Vogelschutz-Richtlinie geschützt und dort in Anhang I, Anhang II/2 und Anhang III/2 aufgenommen.

Falls Sie darüber hinausgehend Informationen zum Schutz oder Management der Art besitzen, kontaktieren Sie uns bitte, sodass wir diese Information hier hinzufügen können.