Auerhuhn

Wissenschaftl. Name: Tetrao urogallus Linnaeus 1758
Trivialnamen: Capercaillie Englisch
  Grand tétras Französisch
  Auerhuhn Deutsch
  Tjäder Schwedisch

Verbreitung

Das Vorkommen des Auerhuhns in Eurasien reicht von Gebieten in Nordspanien bis in den Osten Sibiriens. In den borealen Wäldern Skandinaviens bis Ostsibiriens ist die Verbreitung des Auerhuhns durchgängig, wohingegen der südwestliche Teil des Verbreitungsgebiets in West- und Zentraleuropa stark fragmentiert ist. Dies ist durch mehrere Faktoren bedingt, primär die ungleichmäßige und abnehmende Verteilung des Bergnadelwaldes auf den Alpenraum und auf die Mittelgebirge, weshalb die Art im Süden ihres Verbreitungsgebiets fast ausschließlich Höhenlagen besiedelt.

Populationsgröße und -entwicklung in Europa

In Europa lebt das Auerhuhn noch vorwiegend in seinem ursprünglichen Verbreitungsgebiet, obwohl eine ernstzunehmende Abnahme des Bestandes in West- und Zentraleuropa zu lokalem Aussterben geführt hat. In Zentraleuropa sind inzwischen viele Populationen verschwunden und die verbleibenden sind meist klein (< 200 Vögel) und vereinzelt. Der Druck auf Teilpopulationen wird außerdem durch den anhaltenden Verlust von geeignetem Lebensraum verschärft. Generell gilt die Art in West-, Zentral- und Südosteuropa als bedroht. Dennoch kommt sie aber in ihrem gesamten borealen Verbreitungsgebiet noch in beträchtlicher Zahl vor, weshalb der Zustand über das gesamte Bestandsgebiet durch die IUCN als geringere Gefährdung eingestuft wird. Nur eine Unterart im Kantabrischen Gebirge Nordspaniens (Tetrao urogallus cantabricus) wird aufgrund ihres kleinen und stark fragmentierten Verbreitungsgebietes als grundsätzlich stark gefährdet eingestuft.

Lebensraum und Ökologie

Das Auerhuhn ist an boreale Klimaxwälder angepasst. Sein Primärhabitat ist eine Landschaft aus älteren Bäumen und Mooren, durchsetzt mit Stellen jüngerer Bäume, die nach Eingriffen durch die Waldwirtschaft oder durch naturbedingten Störungen wie Windwurf, Schneebruch und Brand entstanden sind. Auerhuhnhabitate sind geprägt durch Nadelbäume sowie offene Strukturen mit moderatem Baumkronenschluss. Von großer Bedeutung ist weiterhin eine reiche Bodenflora, mit Heidel- und Blaubeeren (Vaccinium myrtillus) und anderen heidekrautartigen Sträuchern. Das Auerhuhn gilt häufig als Zeigerart für einen intakten Altholzbestand in Berg- und Boreal-Ökosystemen, jedoch können geeignete Lebensräume auch in Gebieten mit aktiver Waldnutzung entstehen. Mit Bezug auf die Habitatpräferenzen der Art kann vor allem die traditionelle intensive Waldnutzung mit kleinräumigem Kahlschlag und Streunutzung geeignete Lebensräume produzieren. Die Vögel ernähren sich im Winter fast ausschließlich von Nadeln, im Sommer aber von Blättern, Knospen, Blüten und Früchten verschiedener Kräuter und Sträucher. Auerhuhnküken sind auf tierische Nahrung angewiesen, von Bedeutung sind vor allem Raupen und andere Invertebraten, die auf der reichen Bodenvegetation vorkommen. Im Allgemeinen haben Auerhühner einen hohen Raumanspruch, bedingt durch relativ große Streifgebiete von mehreren hundert Hektar.

Bejagung und kulturelle Bedeutung

In Zentraleuropa wurde dem Auerhuhn als wertvolle Jagdtrophäe besondere Aufmerksamkeit zuteil. Es gehört zum Federwild und zählt als eine der wenigen Vogelarten (mit Steinadler und Seeadler) zum Hochwild. Seine Bejagung war somit dem Adel vorbehalten. Seit den 1970er Jahren ist die Auerhuhnjagd in allen west- und zentraleuropäischen Ländern eingeschränkt oder ganz eingestellt. Dort, wo das Auerhuhn in Zentraleuropa besonders stark auftritt, ist es bis zum heutigen Tag im alltäglichen Leben vertreten. Dies zeigt sich in Namen von Gasthöfen,  Hotels und Firmen die in solchen Regionen häufig das Auerhuhn zum Namenspatron haben.

Hauptbedrohungen

Als Habitatspezialist reagiert das Auerhuhn empfindlich auf Verschlechterung der Habitatqualität durch Änderungen der Baumarten und –alterszusammensetzungen in den Wäldern. Wegen seines großen Raumbedarfs ist das Auerhuhn außerdem anfällig für großflächigere Veränderungen, wie etwa die Zerschneidung großer zusammenhängender Waldgebiete oder der Verlust von potentiell geeignetem Lebensraum durch andere Nutzungsformen. In Zentraleuropa hatte das Auerhuhn seinen stärksten Bestand, als die Menschen im Wald viel Waldstreu sammelten und den Wald mit Rindern beweideten. So wurden automatisch  offenere und lichtere Wälder gefördert. In den vergangenen Jahrzehnten wurden in ganz Zentraleuropa in vielen Gegenden die Wälder immer dichter, was mit einem Rückgang der Auerhuhnzahlen einher ging. Als Resultat sind die Populationen in West- und Zentraleuropa nun stark isoliert und durch den Verlust genetischer Vielfalt bedroht, was zu einer höheren Anfälligkeit gegenüber Zufallsereignissen führt. Die zunehmende Landschaftsfragmentierung u.a. durch die Landwirtschaft führte zu einer höheren Prädatorendichte, welche am Boden brütende Vögel - wie das Auerhuhn - weiter gefährden. Des Weiteren sind Auerhühner besonders während der Balz-, Brut- und Aufzuchtszeit sehr empfindlich gegenüber Störungen durch Tourismus und andere Freizeitaktivitäten. Letzen Endes müssen als weitere Bedrohungen Kollisionen mit Leitungen und Zäunen genannt werden sowie die Luftverschmutzung und die damit in Zusammenhang stehende Eutrophierung der Böden. Im Zusammenhang mit Windenergieanlagen weisen bisherige Studien auf eine mögliche Minderung der Lebensraumnutzung im Anlagenumfeld und ein Kollisionsrisiko hin.

Schutzstatus und gegenwärtige Schutzmaßnahmen

Die vom Auerhuhn ausgehende Faszination ist mitverantwortlich für die ausgeprägten Bemühungen, die zu seinem Schutz unternommen werden. Für die Erhaltung gefährdeter Auerhuhnpopulationen ist vor allem ein integratives Lebensraummanagement notwendig, bei dem Naturschutzansprüche erfolgreich mit anderen Nutzungsinteressen vereint werden können. In Gebieten, in denen Auerhühner lokal ausgestorben sind, fanden oftmals engagierte Wiederansiedlungsprogramme statt. Leider war jedoch die Mehrheit dieser Vorhaben nicht erfolgreich.

Das Auerhuhn zählt zu den am strengsten geschützten Tierarten in Europa. Auf internationaler Ebene ist es durch die EU-Vogelschutzrichtline (Anhang I „besonders geschützte Art“) geschützt, was bedeutet, dass die geeignetsten Lebensraumflächen als Vogelschutzgebiete ausgewiesen werden müssen und dass hier Beeinträchtigungen vermieden werden müssen. Dies ist gesetzlich geregelt.

Auf nationaler Ebene kann der Schutzstatus von Land zu Land sehr stark variieren, je nach Größe der Population.

In Deutschland hat das Auerhuhn durch § 7 des Bundes-Naturschutzgesetzes (BNatschG) als „besonders geschützte Art“ den gleichen Schutzstatus wie „streng geschützte Arten“. Für diese regelt der § 44 BNatschG das Tötungs- und das Störungsverbot, welches den Erhaltungszustand der lokalen Population gewährleisten soll. Zudem soll das Zerstörungsverbot den Erhalt des Lebensraumes sichern. Allerdings erlaubt der §45 BNatschG Ausnahmen, wenn zwingende Gründe des öffentlichen Interesses vorliegen. Keine Ausnahmen sind gestattet, wenn zumutbare Alternativen gegeben sind, eine Verschlechterung des Erhaltungszustands oder eine Behinderung der Wiederherstellung des günstigen Erhaltungszustands der Population drohen. Ein Großteil des Auerhuhnverbreitungsgebietes im Schwarzwald ist als EU-Vogelschutzgebiet (Special Protected Area = SPA) ausgewiesen. Hier sind im Rahmen des Schutzgebietsnetzes „Natura 2000“ Maßnahmen zur Erhaltung des Auerhuhns gefordert. So gelten z.B. ein Verschlechterungsverbot und die Verpflichtung zur Sicherung eines günstigen Erhaltungszustandes.

In Österreich gibt es durch die Vogelrichtlinie einen Handlungsauftrag. Der Erhaltungszustand der Auerhühner ist grundsätzlich positiv, allerdings gilt das Auerhuhn in der Steiermark als gefährdet und steht auf der Roten Liste. Hier greift die Jagdgesetznovelle von 2012: „Absichtliches Stören insbes. in Brut- und Aufzuchtszeiten mit erheblichen Auswirkungen ist jedermann verboten!“

In Deutschland sind Instrumente rechtlicher und administrativer Art zur Durchsetzung der Ziele bzgl. der Habitatgestaltung / im Waldbau z.B. vertragliche Regelungen zwischen dem Land und dem Waldeigentümer oder die Ausweisung von Schutzgebieten mit Nutzungsregelungen (z.B. Schonwald nach § 32 Abs. 3 LWaldG). Im Bereich Tourismus ist eine der wichtigsten Aufgaben zur Vermeidung von Störungen die Besucherlenkung. Ein rechtliches Instrumentarium hierfür ist die Ausweisung von Wildschutzgebieten nach § 38 Abs. 1 LWaldG oder nach § 24 LJagdG. Die Planung und Umsetzung von infrastrukturellen Maßnahmen (Windkraft, Straßen, Gewerbegebiete, Naherholungseinrichtungen etc.) unterliegen in den SPA Gebieten einer Verträglichkeitsprüfung und sind bei Unverträglichkeit unzulässig. Auch Maßnahmen außerhalb, die sich negativ auf das Schutzziel innerhalb eines solchen Gebietes auswirken, müssen geprüft und können versagt werden. Eine Anpassung der Jagdausübung an Schutzzweck und Erhaltungsziele der SPA mit Auerhuhn-Vorkommen ist normalerweise nicht erforderlich, da davon auszugehen ist, dass Jäger mit Auerhühnern im Revier die Erhaltungsziele von sich aus berücksichtigen. Für Maßnahmen der Prädatorenkontrolle gelten die Bestimmungen nach Jagd- und Naturschutzgesetz.

Lesen Sie hier die Kurzfassung des "Aktionsplan Auerhuhn Schwarzwald". Weitere Informationen zum Auerhuhnschutz und -management finden Sie hier.