Raufußhühner

Raufußhühner (Tetraonidae) sind eine Unterfamilie der Fasanenartigen (Phasianidae). Durch ihre Größe und ihr Verhalten sind sie seit langem bekannte und beliebte Arten, was sich auch in der Folklore und dem Aberglaube wiederspiegelt. In weiten Teilen der Welt werden sie wegen ihres Fleischs, zum Sport oder als Trophäen gejagt. Zugehörige der Raufußhuhn-Familie leben in großen Teilen der Nordhalbkugel und besiedeln viele unterschiedliche Lebensräume; es gibt Arten die typisch für Waldlebensräume sind bis hin zu Spezialisten für offene Landschaften. Die meisten Raufußhuhnarten sind allerdings Habitatspezialisten und an ein bestimmtes oder nur wenige Habitate angepasst. Einige Mitglieder der Familie dienen daher als Indikatorarten für spezifische natürliche oder semi-natürliche Lebensräume. Man geht davon aus, dass das Vorkommen mit einer hohen biologischen Vielfalt zusammenhängt.

Wie sich dem Namen nach schon vermuten lässt, unterscheiden sich Raufußhühner von anderen Hühnervögeln durch befiederte Füße. Auch die Nasenöffnung ist befiedert. Hiermit sind sie gut ausgerüstet für extreme Wetterbedingungen im Winter oder im Gebirge. Abgesehen von den Küken, die, wie bei den meisten Vogelarten, vor allem Insekten fressen, nehmen die Vögel überwiegend pflanzliche Nahrung zu sich: Im Sommer verzehren sie ein breites Spektrum an Knospen, Blättern und Beeren. Die Nahrung im Winter ist hingegen relativ einseitig, da vor allem Knospen von Laubbäumen und Nadeln von Koniferen gefressen werden. Um diese nährstoffarme Winternahrung besser verwerten zu können, nehmen Raufußhühner gezielt kleine Steinchen - sogenannte Magensteine - auf, die bei der Verdauung helfen. Zusammen mit einem sehr gut ausgebautem Verdauungssystem und einem inaktiven Lebensstil im Winter sind die Tiere in der Lage extreme Winterbedingungen zu überleben.

Bei vielen Raufußhuhnarten kommen die Hähne im Frühjahr auf sogenannten Balzplätzen zusammen. Hier präsentieren sich die Männchen mit auffälligem Verhalten und Geräuschen den Hennen, die wählen können, mit wem sie sich paaren wollen. Andere Arten sind allerdings monogam und zeigen kein Balzverhalten. Raufußhühner nisten in einer Mulde auf dem Boden, die Küken sind Nestflüchter und können schnell nach dem Schlüpfen laufen. Die Henne leitet die Küken auf ihrer Nahrungssuche und schützt sie vor schlechten Wetterbedingungen.

Von insgesamt 19 Arten dieser Unterfamilie werden drei auf der „IUCN Rote Liste“ als weltweit gefährdet geführt. Auf nationaler und lokaler Ebene gehen allerdings viele Arten der Familie zurück, was sogar zu lokalem Aussterben führen kann. Der Rückgang wird durch verschiedene Faktoren verursacht, als Hauptursache gelten im Allgemeinen die Lebensraumverschlechterung und der Lebensraumverlust. Deshalb gibt es in vielen Ländern auch Schutzprogramme und Aktionspläne.

Da Raufußhühner beliebte Tierarten sind und mit hoher Biodiversität assoziiert werden, sind sie oft sogenannte „Flaggschiffarten“, mit denen Werbung gemacht wird, um bestimmte Lebensräume zu schützen.

Im Folgenden werden kurz die Europäischen Raufußhuhnarten vorgestellt, die sich zum Teil in ihrer Lebensweise stark unterscheiden.