Wildtiere und Windräder

Um den anthropogenen Einfluss auf das Klima zu reduzieren, setzen immer mehr Länder auf regenerative Energiequellen. Obwohl die Menschen schon seit langem Windenergie nutzen (z.B. durch Windmühlen), wird erst seit Ende des 19. Jahrhunderts mit Hilfe von Wind Elektrizität produziert. Durch technologischen Fortschritt und Einspeisevergütungen ist die Nutzung von Windenergie rentabel geworden. Momentan ist Windenergie eine der am schnellsten wachsenden Formen der regenerativen Energieproduktion. Die Windenergie bringt positive und negative Effekte mit sich. So wird zum einen dem Klimawandel durch emissionsarme Energieproduktion entgegen gewirkt und es werden lokale Arbeitsplätze geschaffen. Zum anderen ist es aber auch möglich, dass die Windräder Tiere vor Ort beeinflussen.

Wie Wildtiere auf Windenergieanlagen reagieren, ist bei den meisten Arten noch unbekannt. Zudem sind die Unterschiede zwischen den Arten groß. Ob eine Beeinflussung festgestellt wird, ist auch abhängig von Forschungsmethoden und Fragestellung. Bei Rothirschen¹ (Cervus elaphus), Rentieren² (Rangifer tarandus) und Erdhörnchen³ (Marmotini) konnte zum Beispiel kein signifikantes Meideverhalten festgestellt werden. Nähere Untersuchungen am Verhalten der Erdhörnchen zeigten allerdings, dass die Tiere im Bereich des Windparks, im Vergleich zu den außerhalb lebenden, unterschiedlich auf Rufe von Artgenossen reagieren³.

Sowohl bei Vögeln⁴, als auch bei Fledermäusen⁵'⁶ sind Kollisionen mit Windrädern nachgewiesen. Bei Fledermäusen ist sogar festgestellt worden, dass sie durch Luftdruckunterschiede in der Nähe der sich bewegenden Rotorblätter tödliche Barotraumen erleiden können⁷'⁸'.

Vogelkollisionen sind sowohl mit Anlagentürmen als auch mit Rotorblättern bekannt⁹. Nicht bei jeder Vogelart ist das Risiko einer Kollision gleich hoch¹⁰. Vor allem größere, weniger wendige Vögel (z.B. Gänse und Schwäne) oder Vögel mit bestimmten Verhaltensweisen, wie der Nutzung von thermischen Aufwinden (z.B. Greifvögel), kollidieren häufiger mit Windrädern¹¹'¹²'¹³'¹⁴.

In den meisten Fällen ist der Einfluss der Kollisionsmortalität auf eine Population unklar. In Belgien jedoch konnte für eine Kolonie von Seeschwalben (Sternidae) nachgewiesen werden, dass sich die Kollisionen mit Windrädern negativ auf die lokale Population auswirken, ob sich das signifikant auf die gesamte Population auswirkt kann allerdings nicht gesagt werden¹⁵.

Manche Vögel vermeiden es, durch Windparks zu fliegen, was eine Beeinträchtigung für die Ausbreitung oder den Populationsverbund darstellen könnte¹⁶'¹⁷'¹⁸'¹⁹. Über die „Scheuchwirkung“ von Windrädern auf Vögel ist noch weniger bekannt. Mit „Scheuchwirkung“ ist das verminderte Vorkommen einer Art in einem Gebiet mit Windrädern im Vergleich zu einem Gebiet ohne WEA gemeint. Dies kann einerseits direkt durch die Anwesenheit der Anlagen verursacht werden, zum Beispiel durch Schattenwurf der Rotorblätter oder Geräusche, die vom Windrad verursacht werden. Andererseits kann der Bau eines Windrads auch einen indirekten Einfluss auf den Lebensraum von Tieren haben. So zieht zum Beispiel der durch die Windenergieanlage bedingte Neu- oder Ausbau von (Wald-) Wegen eine eventuelle Folgenutzung durch den Menschen (z.B. Wanderer und Mountainbiker) nach sich, was eine zusätzliche Beunruhigung für empfindliche Wildtiere sein kann¹⁰'¹⁷'²⁰'²¹.

Für verschiedene Vogelarten hat man nachgewiesen, dass sie die Bereiche um Windräder weniger nutzen oder dort in geringerer Dichte vorkommen¹⁷. Es finden sich hier jedoch Unterschiede zwischen Arten, Lebensräumen, Jahreszeiten und sogar zwischen verschiedenen Standorten²²'²³.

¹ Walter et al. (2006): Response of Rocky Mountain elk (Cervus elaphus) to wind-power development
² Flydal et al. (2004): Effects of wind turbines on area use and behaviour of semi-domestic reindeer in enclosures
³ Kikuchi (2008): Adverse impacts of wind power generation on collision behaviour of birds and anti-predator behaviour of squirrels
⁴ Drewitt & Langston (2008): Collision effects of wind-power generators and other obstacles on birds
⁵ Rydell et al. (2010): Bat Mortality at Wind Turbines in Northwestern Europe
⁶ Kuvlesky et al. (2007): Wind Energy Development and Wildlife Conservation: Challenges and Opportunities
⁷ Baerwald et al. (2008): Barotrauma is a significant cause of bat fatalities at wind turbines
⁸ Grodsky et al. (2011): Investigating the causes of death for wind turbine-associated bat fatalities
⁹ Johnson et al. (2002): Collision mortality of local and migrant birds at a large-scale wind-power development on Buffalo Ridge, Minnesota.
¹⁰ Langston & Pullan (2003): Windfarms and birds: an analysis of the effects of wind farms on birds, and guidance on environmental assessment criteria and site selection issues
¹¹ Orloff & Flannery (1993): Wind turbine effects on avian activity, habitat use, and mortality in the Altamont Pass and Solano County Wind Resource Areas. In: Huckabee J.W. (ed.), Avian Interactions with Utility Structures.
¹² Osborn et al. (1998): Bird flight characteristics near wind turbines in Minnesota
¹³ de Lucas et al. (2008): Collision fatality of raptors in wind farms does not depend on raptor abundance
¹⁴ Garvin et al. (2011): Response of raptors to a windfarm
¹⁵ Everaert & Stienen (2007): Impact of wind turbines on birds in Zeebrugge (Belgium)
¹⁶ Langston & Pullan (2004): Effects of wind farms on birds
¹⁷ Drewitt & Langston (2006): Assessing the impacts of wind farms on birds
¹⁸ Fahrig (2003): Effects of habitat fragmentation on biodiversity
¹⁹ Farfán et al. (2009): What is the impact of wind farms on birds? A case study in southern Spain
²⁰ Gill et al. (1996): Review of the impacts of windfarms and other aerial structures upon birds
²¹ National Research Council (2007): Environmental impacts of wind-energy projects
²² Steward et al. (2007): Poor evidence-base for assessment of windfarm impacts on birds
²³ Pearce-Higgins et al. (2009): The distribution of breeding birds around upland wind farms