Forschungsmethoden

Neben den Forschungsarbeiten selbst ist besonders das konstante Monitoring in Zusammenarbeit mit Förstern, Jägern und Ornithologen vor Ort wichtig sowie der Austausch mit Experten für Raufußhühner. Die gewählten Methoden und Forschungsansätze wurden mit Auerhuhnexperten aus ganz Europa diskutiert und festgelegt. Die Forschungsarbeiten des Projekts sind in vier Module unterteilt:

Raum-Zeit Verhalten

Um zu verstehen, wie Auerhühner leben und sich bewegen, wird anhand von verschiedenen Methoden das Vorkommen überprüft. Zum einen werden indirekte Nachweise gesammelt. Das bedeutet, dass im Sommer Federn und Kot gesucht werden. Auch Sichtungen und Spuren werden dokumentiert. Das gibt bereits Auskunft darüber, wo die Tiere sich befinden. Gleichzeitig wurden Daten zu den Waldstrukturen aufgenommen um die Lebensraumqualität einschätzen zu können.

In Untersuchungsgebieten mit einem großen Auerhuhnvorkommen (z.B. in Schweden) werden im Rahmen des Projekts auch Telemetriestudien durchgeführt. Dabei erhält der Vogel einen Sender, durch den man die Bewegungen des Tieres über einen längeren Zeitraum nachvollziehen kann. Am aussagekräftigsten sind die Informationen, wenn der Sender schon vor dem Bau der Windenergieanlage am Tier angebracht wird und somit vor, während und nach dem Bau Informationen zum Verhalten des Tieres gesammelt werden können.

Stressphysiologie

Im Schwarzwald und Österreich wird in den kommenden Jahren vor und nach dem Bau von Windenergieanlagen Auerhuhnkot gesammelt und analysiert. Im Kot finden sich Abbauprodukte von Stresshormonen, die nachgewiesen werden können. Um eine Aussage über den "Stresslevel" der Vögel machen zu können, muss der Kot besonders frisch sein. Daher wird im Winter, gleich nach dem Schneefall, Losung gesammelt und im Labor analysiert. So soll überprüft werden, ob der Bau von Windenergieanlagen nachweisbar den Stresslevel von Auerhühnern beeinflusst.

Reproduktion

Im Rahmen des Forschungsprojekts wird jährlich der Nachwuchs der Auerhühner gezählt. Dabei wird im Spätsommer ein Transekt, also eine festgelegte Strecke, abgelaufen. Hier werden alle Auerhühner gezählt und nach den Klassen Hahn, Henne und Küken aufgeteilt. Anschließend wird ein Index erstellt, der die Nachkommen des Jahres ermittelt. Um die Aufzucht möglichst wenig zu stören, wird diese Methode erst im Spätsommer bei trockener Witterung durchgeführt, wenn die Küken flüge sind.

In den schwedischen Untersuchungsgebieten wird der Reproduktionserfolg in Gebieten mit und ohne Windenergieanlagen mit Hilfe von Vorstehhunden erhoben. Der Einsatz von Vorstehhunden in Wildtiermonitoring und Forschung ist vor allem in Ländern mit langer Jadgtradition, wie z.B. Italien, Großbritannien oder Skandinavien üblich. Mit dem Einsatz von gut ausgebildeten Hunden steigt die Chance Vögel zu finden deutlich an. Somit können Forscher große Fläche systematisch und effizient abgehen. Methodische Unterstützung erhält das Projekt hier durch die Expertise der Non-Profit Organisation Wildlife Detection Dogs e.V. und der schwedischen Naturschutzbehörde.

Populationsverbund

Da Auerhühner im Schwarzwald ausschließlich in den Höhenlagen vorkommen, ist es für das langfristige Bestehen der Population wichtig, dass die Tiere sich zwischen den Gipfeln bewegen können. Durch gelegentlichen Austausch wird gewährleistet, dass es keine Erscheinungen von Inzucht in der Population gibt. Derzeit sind verschiedene Korridore zwischen Auerhuhn-Teilpopulationen bekannt. Grundlage für die bestehenden Korridore sind Untersuchungen aus dem Jahr 2003. Da Korridore derzeit auch zu den Ausschlussgebieten für Windenergieanlagen zählen, werden die Gebiete nochmals überprüft um eventuelle Veränderungen seit 2003 festzustellen.

Da es unwahrscheinlich ist, einen Vogel beim Überfliegen des Korridors zu beobachten, wird genetisches Material der Tiere im Labor analysiert. Anhand der genetischen Analyse kann der bestehende Austausch zwischen den Gebieten festgestellt werden. Die Ergebnisse geben jedoch keine Auskunft darüber, ob ein Windrad den Austausch zwischen den Gebieten verhindert.

Sowohl die im Sommer gesammelten Federn, als auch die im Winter genommenen Kotproben werden im Labor analysiert. Es ist somit möglich, Individuen zu bestimmen und den Untersuchungsgebieten zuzuordnen. Auch die Verwandtschaft zwischen den Vögeln lässt sich mit dieser Methode nachvollziehen. Dadurch kann festgestellt werden, wo noch wichtige Verbindungskorridore vorhanden sind und welche Bedeutung sie für den Populationsverbund haben.